Gautschfeier im Druckzentrum Haag
Junge und Alte Drucker nass gemacht - Gautschfeier 2010
Die Südostschweiz Partner AG hat am 10.08.2010 zur Gautschfeier (1) geladen, einem uralten Brauch mit dem Drucker nach ihrer Ausbildungszeit in ihre die Zunft der schwarzen Kunst aufgenommen werden. Den Gautschakt zelebrieren der Gautschmeister,
der Schwammhalter, der erste und zweite Packer. Das Geschehene beurkunden die „Offiziellen" und die „Zeugen" durch ihre Unterschrift auf dem Gautschbrief des späteren Gesellen. Dabei redete zunächst der Gautschmeister den jungen Cornuten ins Gewissen, "saufet nicht und spielt nicht Karten." Zudem sollten sie nur das tun was redlich und wahr ist, denn schließlich haben sie jetzt einen richtigen Beruf gelernt.
Nach dem ersten Teil der Rede kam der ungemütlichere Teil für die Cornuten. Zunächst hieß es auf einem pitschnassen Schwamm Platz zu nehmen, dann den ganzen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf. Und dann taten die Packer ihr Werk und tunkten und drückten ihr Opfer mit Wonne in den Bottich unters Wasser, so dass das kühle Nass nur so spritzte.
Als erste war Roger Fischer. Der 44 jährige Mann hat bei Südostschweiz Print AG Offsetdrucker gelernt. Er wurde zwar in all den Jahren bereits zweimal gegautscht, allerdings hat er bis heute keinen Gautschbrief erhalten. Das sollte sich nun am heutigen Tage ändern. Als weitere Cornuten wurden die Lehrlinge Reto Flisch und Aysan Cetin aus Chur gegautsch.
Seit Jahrhunderten nehmen die Druckermeister und Gesellen nach Abschluss der Ausbildung die jungen Druckerinnen und Drucker mit dem Fest des Gautschens auf. Heute machen das nur noch die ganz großen Betriebe, haben in der kleinteiligen Struktur die meisten Mittelständler gar nicht mehr genug Lehrlinge um alleine eine Gautschfeier auszurichten. Umso schöner dass sich das Druckzentrum Haag des Themas angenommen hat und so eine alte Tradition weiter am Leben erhält. (Bilder der Gautschfeier werden noch nachgeliefert).
(1) Der Begriff: Gautschen
Das Wort Gautscher stammt wahrscheinlich aus dem Französischen: coucher. Ein Gautscher sorgt für den ersten Entwässerungsschritt, indem er den frisch geschöpften, feuchten Papierbogen vom Sieb auf eine Filzunterlage ablegt. Auf das abgelegte Papierblatt wurde wieder ein Filz und darauf wieder ein Papierblatt gelegt, usw. War ein Stapel von 180 Papierbogen und 182 Filzen entstanden, hieß dieser Stoß in der Sprache der Papiermacher Pauscht.
Das Gautschen ist ein bis in das 16. Jahrhundert zurück verfolgbarer Brauch des Buchdruckerhandwerks. Hierbei musste der zu gautschende eine Art Freisprechungszeremonie über sich ergehen lassen und einen gehörnten Hut tragen; „Cornut" bedeutet „der Gehörnte". Der Cornut ist also ein ausgelernter Buchdrucker-Lehrling, der den Gesellenbrief aber noch nicht erhalten hat. Erst nach dieser Gautschzeremonie ist der Cornut würdig genug, um als Mitglied in die Buchdruckerzunft aufgenommen zu werden. Der Cornut wird von den Altgesellen gepackt und auf einen triefend nassen Schwamm gesetzt. Das Anpacken gelingt nicht immer auf den ersten Griff, da der überraschte Cornut sich oft tapfer dagegen sperrt und wehrt. Manche Packer sind allerdings nicht gerade zimperlich, und so ist der Widerstand des Cornuten schnell gebrochen. Nachdem sein Hinterteil kräftig angefeuchtet ist, wird der „angehende Jünger Gutenbergs" entweder in einen Brunnen, in einen Wassertrog oder in einen naheliegenden Bach geworfen. Je mehr er sich wehrt, desto mehr wird er mit Wasser übergossen, unter Wasser gedrückt oder zurück ins Wasser geworfen.
Da es den Beruf des „Buchdruckers" in seiner ursprünglichen Form nicht mehr gibt, werden heute auch Offset-, Tief- und Siebdrucker gegautscht. Inzwischen werden auch Mediengestalter für Digital- und Printmedien und Digitaldrucker gegautscht, obwohl diese im Berufsleben kaum mit richtiger „Druckerschwärze" in Berührung kommen.
